Spannendes Großprojekt: Staatsarchiv Nürnberg

2. September 2024

Das Staatsarchiv Nürnberg ist der älteste Archivzweckbau in Bayern und erfährt derzeit eine umfassende Neugestaltung. Neben der Generalsanierung des denkmalgeschützten Haupthauses erhält dieses zudem ein neues Untergeschoss, wo ebenfalls Kulturgüter aufbewahrt werden sollen. Weitere Archivbestände finden zukünftig im unterirdischen Erweiterungsbau Platz. Ein Großprojekt, dass einiges an Sachverstand abverlangt und Fingerspitzengefühl benötigt. Auch wir, die Graner Ingenieure wurden nachträglich mit ins Boot geholt und dürfen unser Fachwissen zu Wärmeschutz, Bau– und Raumakustik unterstützend einbringen.

Sichtmauerwerk des Staatsarchiv Nürnberg, rote Backsteinwand mit Relief über einem Fensterrahmen aus Stein, abgebildet ist das Staatswappen Bayerns, ein Löwe
Die Fassade des denkmalgeschützten Hauptgebäude des Staatsarchiv Nürnbergs besteht aus einem Sichtmauerwerk bzw. einer Schaufassade. Oberhalb des Haupteingangs sind unterhalb der Dachtraufe drei Wappen dargestellt. (Bild: © Helmut Meyer zur Capellen/imageBROKER)

Herausfordernd an dem Projekt ist vor allem im Wärmeschutz die Funktion des Archivs und das Sichtmauerwerk des denkmalgeschützten Hauptgebäudes. Als Archivgebäude mit Magazinräumen ist es wichtig, ein gesondertes Energie- und Klimakonzept zu erarbeiten. Die langfristige Lagerung der Exponate erfordert ein stabiles Klima mit einer gleichbleibenden Raumtemperatur und einer bestimmten Luftfeuchtigkeit. Um die Fassade des Gebäudes zu erhalten, kommt gleichzeitig nur eine Innendämmung infrage. Eine Seltenheit, da die meisten Gebäude von außen gedämmt werden. An mehr Übergängen als sonst berechnen unsere Ingenieure die Wärmebrücken, es findet eine thermische Simulation statt und das Augenmerk liegt ebenfalls auf einer sehr sorgfältigen sowie fachgerechten Anbringung der Dämmung.

Der Unterschied einer Außendämmung ist, dass diese die Feuchtigkeit von außen direkt abweist und der Fokus stärker auf dem entstehenden Kondenswasser im Innenraum liegt, das abgeleitet werden muss. Eine Innendämmung wiederum kann die Nässe von außen dagegen erst innerhalb des Gemäuers abwehren, die Außenwand bleibt kalt und gibt die Feuchte schlechter wieder ab. Der Temperaturunterschied von Mauer und Innendämmung ist zudem größer, wodurch sich dazwischen Kondenswasser niederschlagen kann und schnell Schimmel entsteht. Die Feuchtigkeit vom Innenraum abzuleiten findet aber ebenso Beachtung. Entscheidend ist, das richtige Dämmmaterial zu finden, was unsere Wärmeschutz-Experten nur durch ihre Berechnung, Messung und Erfahrung herausfinden können.